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25 Jahre Anlegerbarometer – eine Zeitreise

Von 9/11 bis zur KI-Revolution

Seit einem Vierteljahrhundert misst das Anlegerbarometer von Union Investment die Anlegerstimmung in Deutschland. Hierzu befragt das Meinungsforschungsinstitut Forsa im Auftrag von Union Investment regelmäßig 1.000 Personen, die in Privathaushalten in Deutschland über Finanzen entscheiden. Was ist in den vergangenen 25 Jahren passiert? Und wie sind aus Sparern schrittweise Anleger geworden? Wir zeigen, wie sich das Anlegerverhalten in Deutschland seit 2001 entwickelt hat.



Der Dax und die Märkte 2001 bis 2025

Ein Mausklick führt zum jeweiligen Zeitabschnitt

In 25 Jahren von 5.150 auf 25.000 Punkte

Allen Marktkapriolen zum Trotz hat sich der deutsche Börsenindex letztlich immer nach oben bewegt. Wer „cool“ blieb und eine ruhige Hand in der Anlage bewies, konnte davon profitieren. Wie die Dax-Kurve zeigt, hat sich das seit 2001 hier investierte Kapital in 25 Jahren mehr als vervierfacht. Wer im Januar 2001 eingestiegen ist, hat bis Januar 2026 eine Rendite von 337 Prozent erwirtschaftet. Damit liegt die Wertentwicklung deutlich über dem Niveau klassischer Zinsanlagen wie der zehnjährigen Bundesanleihe.

25 Jahre Anlegerkultur zwischen Kontinuität und Wandel

Wo zeigen sich die größten Konstanten und wo die größten Veränderungen im Anlegerverhalten? Ein Wisch nach links und nach rechts verrät es!

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Vom Dotcom-Kater zum digitalen Comeback

Technologische Meilensteine 2001–2005

2001

Der iPod und Wikipedia

2004

Facebook

2005

YouTube

Im Jahr 2001 mischten sich Aufbruchstimmung und Krisengefühl. Während „Börse im Ersten“ täglich über die Finanzmärkte informierte und Aktienfonds als Sparbuch-Alternative in den Fokus rückten, lasteten die Nachwirkungen der Dotcom-Blase schwer auf den Märkten. Der Dax startete bei rund 6.960 Punkten in ein Jahr, das durch die Terroranschläge vom 11. September zusätzlich erschüttert wurde. Für die Babyboomer-Generation war dies nach dem Dotcom-Crash im Jahr zuvor der zweite Börsenschock binnen weniger Monate. Bis 2005 blieben die Märkte im Grunde im Krisenmodus. Einige wichtige digitale Innovationen setzten in dieser Phase aber neue Impulse für die Zukunft.

9/11 erschütterte das Anlegervertrauen

Unmittelbar nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 erwarteten rund 66 Prozent der Anleger in Deutschland massive Auswirkungen auf die Aktienmärkte. Tatsächlich stürzten die Börsen weltweit ab. Allein der Dax verzeichnete ein Minus von 8,5 Prozent. Allerdings begann bereits in der letzten Septemberwoche 2001 die unmittelbare Erholung. Bis Mitte Oktober 2001 hatten der Dax und der S&P 500-Index bereits den gesamten Wert wieder zurückgewonnen, der seit den Anschlägen verloren gegangen war.

Wer investiert blieb, musste in der Regel keinen Verlust verkraften.

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Der Weg in die Nullzins-Ära

Von 2005 bis 2007 boomte die Weltwirtschaft, freies Kapital suchte nach Investitionsmöglichkeiten, die USA erlebten einen Immobilienboom, und bahnbrechende Innovationen wie das iPhone und Netflix-Streaming kamen auf den Markt. Diese „goldenen Jahre“ endeten abrupt mit dem Lehman-Schock 2008. Ab 2009 sorgten neue Risikostandards wieder für Wachstum, während sich mit Instagram (2010) bereits die nächste digitale Innovation ankündigte.

Sommermärchen, Touch & Crash

Deutschland war Gastgeber der Fußball-WM 2006, die eine ganze Nation ins Fußballfieber versetzte. Gleichzeitig erlebte die Welt den Beginn der Mobile-Ära. Das iPhone veränderte nicht nur die Art, wie wir kommunizieren, sondern auch wie wir konsumieren, arbeiten und leben. Doch die Finanzkrise erschütterte ab September 2008 das Vertrauen in traditionelle Institutionen und war einer der Auslöser für die spätere gesellschaftliche Polarisierung.

Besonnenheit überwog während der Finanzkrise

Bis September 2008 galt das traditionsreiche Bankhaus Lehman Brothers als eine der größten amerikanischen Investmentbanken. Doch Lehman hatte sich bei Immobilienkrediten verspekuliert und war komplett überschuldet. Die Lehman-Pleite am 15. September 2008 war Auslöser der Finanzkrise. In den folgenden Wochen brach der deutsche Leitindex Dax dramatisch ein: Vom letzten Handelstag vor der Lehman-Pleite bis November verlor er über 27 Prozent und fiel von 6.232 auf 4.519 Punkte. Es dauerte etwa sechs Jahre, um das Vorkrisenniveau wieder zu erreichen. Erst im Februar 2013 knackte der deutsche Leitindex wieder die symbolische 8.000-Punkte-Marke.

Bemerkenswert war die Gelassenheit der deutschen Aktienanleger: Selbst im zweiten Quartal 2009, als ein Fünftel der reaktionsbereiten Besitzer verkaufen wollte, blieb die Mehrheit ihrer Strategie treu oder plante sogar Zukäufe – ein Zeichen für durchaus rationales Krisenverhalten.



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Europas Bewährungs­probe

Aus der globalen Finanzkrise entwickelte sich in Europa die Staatsschuldenkrise. Die EU-Länder stritten heftig darüber, wer für wessen Schulden aufkommen sollte, während die Zentralbanken immer mehr zu politischen Akteuren wurden. Die Eurozone stand damals zeitweise am Abgrund. Den Wendepunkt brachte EZB-Präsident Mario Draghi am 26. Juli 2012 mit seinem berühmten Versprechen: „Whatever it takes“ – „Was auch immer nötig ist“. Diese wenigen Worte wirkten auf die Märkte beruhigender als alle Maßnahmen davor. Die unbedingte Rettungsbereitschaft der Währungsunion schuf neue Stabilität ‒ Unternehmen investierten wieder, während im Hintergrund mit Plattformen wie TikTok bereits die nächste Innovationswelle heranreifte.

Vernetzte Welt, gespaltene Gesellschaft

Neue Tech-Innovationen wie WhatsApp und Snapchat veränderten unsere Kommunikation, und es wuchs die Hoffnung, mit Social Media die Welt verändern zu können, wie im Arabischen Frühling 2011 zunächst tatsächlich geschehen. Im Dezember 2015 wurde das Pariser Klimaabkommen geschlossen, bei dem sich 194 Staaten dem gemeinsamen Kampf gegen den Klimawandel verpflichteten. Andererseits zerbrach in dieser Zeit aber auch vieles, was in den darauffolgenden Jahren zum Brexit-Votum der Briten und zur ersten Amtszeit von US-Präsident Donald Trump führte. Die vernetzte Welt sorgte gleichermaßen für Chancen und Risiken.

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Passivität bei sinkenden Zinserwartungen

Im Jahr 2011 zeigte sich ein gespaltenes Bild der Anlegerschaft in Deutschland: Während Besitzer aktienbasierter Anlagen besonnen reagierten und ihre Bestände nicht panikartig verkauften, verhinderte die weitverbreitete Passivität bei bisherigen Nicht-Anlegern (über 50 Prozent) den Einstieg und die notwendige Anpassung an die beginnende Niedrigzinsära – mit langfristigen Folgen für die Vermögensbildung.

2011 wich der risikolose Zins dem zinslosen Risiko – besonders Sparer waren davon betroffen.

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Die Jahre der Extreme

0 Prozent

der Anleger blieben trotz Corona beim gewohnten Sparverhalten

Pandemie als Digitalisierungsturbo

Die Coronapandemie führte zu grundlegenden Veränderungen in Arbeitsstrukturen und sozialen Interaktionen. Millionen von Menschen wechselten ins Homeoffice, während persönliche Treffen durch Videokonferenzen ersetzt wurden. Gleichzeitig beschleunigte die Pandemie den Wandel von traditionellen Medien zu Streaming-Diensten. Netflix und andere Plattformen verzeichneten einen massiven Anstieg der Nutzung.

Finanzkrise fraß Ersparnisse – Corona fütterte sie

Die Pandemie kehrte die Sparlogik der Finanzkrise um: Während 2009/2010 bis zu 21 Prozent der Anleger weniger sparten, blieben 2020 bemerkenswerte 83 Prozent beim gewohnten Sparverhalten. Vermutlich führten die durch den Lockdown bedingten Konsumeinschränkungen eher zu erzwungenem Sparen als zu Notverkäufen. Im Ergebnis stieg das Geldvermögen in Deutschland um rund sieben Prozent auf einen neuen Rekordwert von sieben Billionen Euro. Die Sparquote kletterte von 10,9 Prozent im Jahr 2019 auf 16,2 Prozent des Bruttoeinkommens im Jahr 2020.

Das Geld, das wegen Corona nicht für Restaurantbesuche, Reisen oder Shopping ausgegeben werden konnte, hätte für Investments in günstige Aktien genutzt werden können.

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Zeitenwende am Kapitalmarkt

Die Jahre ab 2021 vereinen Zerfall und Aufbruch: Kaum war die Coronapandemie überwunden, da beendeten der Ukrainekrieg und die Zinswende zahlreiche alte Gewissheiten. Energie wurde teurer, die Zeit von Niedrig- und Negativzinsen war vorbei, und stattdessen war die Inflation zurück. Doch die KI-Revolution, die auch einen Massenzugang zu den Kapitalmärkten etwa mit KI-gestützten Tools ermöglichte, sowie neue innovative Plattformen schufen neue Anlagelandschaften. Zwischen geopolitischen Verwerfungen und technologischen Quantensprüngen entstanden Chancen und Risiken in nie dagewesener Konzentration.

Drei Megatrends bestimmen die Zukunft

Zum Ausklang der Zeitreise mit dem Anlegerbarometer zeichnet sich ab, dass die KI-Integration in den Alltag genauso prägend sein dürfte wie geopolitische Instabilitäten und die wirtschaftliche Transformation, die die Digitalisierung und der Kampf gegen die Klimafolgen geschaffen haben.

Ukrainekrieg löst Rekordpessimismus aus

Die Stimmung der Anleger in Deutschland erreichte mit Beginn des Ukrainekrieges einen historischen Tiefpunkt: Im zweiten Quartal 2022 erwarteten 74 Prozent der Befragten eine schlechtere wirtschaftliche Situation in der Bundesrepublik in den kommenden zwölf Monaten – ein Rekordwert in der Erhebungsgeschichte. Optimisten waren kaum vorhanden (vier Prozent). Der Ukrainekrieg mit seinen unmittelbaren Auswirkungen auf die Energie- und Lebenshaltungskosten verunsicherte die Anleger in Deutschland stärker als jede andere Krise der vergangenen zweieinhalb Jahrzehnte.

Doch der Leitindex stieg erneut

Am 24. Februar 2022, dem Tag des russischen Angriffs auf die Ukraine, schloss der Dax bei 14.052 Punkten und verlor dabei 3,96 Prozent. Am 24. Februar 2026 steht der deutsche Leitindex bei 24.986 Punkten. Dieses Wachstum beruhte unter anderem auf dem Siegeszug der Technologieaktien, insbesondere auf dem Feld der künstlichen Intelligenz.

Das wichtigste Sparziel ist und bleibt die Altersvorsorge

Das Sparziel Nummer 1 in den vergangenen 25 Jahren war fast durchgängig die Altersvorsorge. Lediglich in einigen wenigen Erhebungen wechselte es hin und wieder die Spitzenposition mit dem Sparziel „Notfallrücklage“. In den vergangenen vier Jahren hat das Sparziel Altersvorsorge sogar noch mal an Bedeutung gewonnen und Rekordhöhen erreicht: Seit dem zweiten Quartal 2021 haben mehr als 80 Prozent der Befragten die Altersvorsorge als Sparziel angegeben. Ähnlich hoch war der Wert nur zwischen 2005 und 2009. Im zweiten Quartal 2025 wurde mit 87 Prozent ein Rekordwert erreicht, der sich im vierten Quartal 2025 auf einem ähnlich hohen Niveau von 84 Prozent eingependelt hat.

Bye bye Sparbuch

Von Sparern zu Anlegern
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In den vergangenen 25 Jahren erlebte die deutsche Sparlandschaft einen fundamentalen Strukturwandel: Der Anteil von Besitzern klassischer Sparbücher ist kontinuierlich von 86 Prozent auf 68 Prozent gefallen. Im zweiten Quartal 2024 markierte die Umfrage des Anlegerbarometers einen historischen Wendepunkt ‒ erstmals gab es mehr Tagesgeldbesitzer als Sparbuchbesitzer. Gleichzeitig überschritt die Zahl der Sparer mit Investmentfonds das Niveau der Sparbuchbesitzer (66 zu 60 Prozent im vierten Quartal 2025).

Diese Entwicklung zeigt deutlich: Sparer in Deutschland bevorzugen zunehmend flexiblere Anlageformen wie Tagesgeld und entdecken gleichzeitig renditeorientierte Investments wie Fonds als Alternative zum traditionellen Sparbuch. Das jahrzehntelang dominierende Sparbuch hat seine Monopolstellung endgültig verloren.

Interview

„Risiko ist nicht nur etwas Schlechtes“

Die Anleger wollen mehr Rendite, scheuen aber das Risiko. 70 Prozent wollen bei Krisen handeln, aber nur 16 Prozent tun es. Prof. Rüdiger von Nitzsch erklärt die Psychologie dahinter.

Zur Person

Prof. Rüdiger von Nitzsch ist Professor für Entscheidungsforschung und Finanzdienstleistungen an der RWTH Aachen University. Seit 1996 erforscht der Behavioral-Finance-Experte das Anlageverhalten der Deutschen und ist Autor des Standardwerks „Behavioral Finance: Gewinnen mit Kompetenz“.

Anleger in Deutschland sind konstant vorsichtig, aber wünschen gleichzeitig zunehmend mehr Rendite. Widerspricht das den Erkenntnissen der klassischen Behavioral Finance?

Im Grunde nicht. Es widerspricht höchstens den Erkenntnissen der rational orientierten Finanzmarkttheorie, dass man nur mehr Rendite bekommen kann, wenn man auch mehr Risiken eingeht. Aber der Mensch verhält sich eben nicht wie der Homo oeconomicus.

Man muss als Gesellschaft erst lernen, dass Risiko nicht nur etwas Schlechtes ist, sondern dass man auch bereit ist, Risiken einzugehen, um etwas dafür zu bekommen. Dieses Verständnis ist meines Erachtens in Deutschland noch nicht so verbreitet, wie es sein sollte.



Welche Erkenntnis aus der Auswertung des Anlegerbarometers hat Sie am meisten überrascht?

Eine große Überraschung gab es nicht, aber was deutlich wurde und was ich interessant finde: Die Lerneffekte sind doch noch relativ gering ausgeprägt. Das Verständnis, in Kapitalmarktrisiken zu denken ‒ dass es für Risiken Belohnungen gibt und dass es sinnvoll ist, auch über längere Zeit Risiken zu tragen, weil sich diese über die längere Zeit nivellieren ‒, muss man lernen und verstehen.

Dass dies noch relativ gering ausgeprägt ist, zeigt, dass die Anleger noch einen kleinen Schub benötigen, um eine stärkere Kapitalmarktaffinität zu erlangen. Man ist zwar auf dem richtigen Weg, aber es geht relativ langsam.



Man muss als Gesellschaft erst lernen, dass Risiko nicht nur etwas Schlechtes ist, sondern dass man auch bereit ist, Risiken einzugehen, um etwas dafür zu bekommen.

50 bis 70 Prozent sagen bei Krisen: „Wir müssen was tun“, aber nur 14 bis 16 Prozent handeln wirklich. Wie erklären Sie diese Kluft zwischen Wunsch und Handlung?

Das ist nicht kapitalmarkttypisch. Das kennen wir in jeder Situation: Sie müssten eigentlich eine Vorsorgeuntersuchung machen, haben aber keine Lust und verschieben das. Der Mensch ist schwach in seiner Selbstdisziplin – man tut nicht immer das, was man eigentlich tun müsste.



Ist diese „Handlungslähmung“ in Krisen ein psychologischer Schutzmechanismus – oder kostet sie Rendite?

Das kann man in zweierlei Sichtweise sehen. Man kann sagen, Sie haben es gut gemacht, weil Sie nicht panisch agiert haben. Was allerdings nicht unbedingt mit Gelassenheit zu tun haben muss, sondern eher mit „Kopf in den Sand stecken“, man fühlt sich nicht in der Lage, richtig zu handeln.

Auf der anderen Seite war es positiv, weil Panikverkäufe in der Krise nicht das Richtige sind. Aber ein souveränes Verhalten hätte dazu geführt, dass man sagt: „Die Risikoprämien sind jetzt sehr hoch, es ist attraktiv, jetzt einzusteigen.“ Eine bewusst antizyklische Handelsstrategie wäre gut gewesen, aber dazu braucht man eine Souveränität, die noch nicht so in der Breite vorhanden ist in Deutschland.



Im Jahr 2024 wurden erstmals Sparbücher von Fonds und Tagesgeld in der Nutzung überholt. Wäre dieser Schritt nicht spätestens 2016 im Nullzinsumfeld sinnvoll gewesen?

Natürlich wäre es sinnvoller gewesen, aber das ist genau diese Vorsicht, dieses Sicherheitsprinzip, das in den Köpfen verankert ist. Je mehr es attraktive, verständliche und leicht umzusetzende Angebote gibt, denen man vertrauen kann, desto eher löst man sich von den alten, nicht mehr zeitgemäßen Sparformen.



Eine bewusst antizyklische Handelsstrategie wäre gut gewesen, aber dazu braucht man eine Souveränität, die noch nicht so in der Breite vorhanden ist in Deutschland.

Erwarten Sie einen Bruch mit den vier deutschen Anlagesäulen (Sparbereitschaft, Sicherheitsorientierung, persönlicher Optimismus und Besonnenheit in Krisen) durch die „Generation TikTok“?

Einen direkten Bruch nicht. Ich hoffe jedoch auf schnellere Lerneffekte. Allerdings muss man kritisch sehen, dass diese Generation vornehmlich in den sozialen Medien mit Inhalten konfrontiert wird, in denen man ohne große Anstrengung und Geduld an Geld kommen soll – Stichwort Kryptobörsen und „mit Bitcoin reich werden“. Die Mentalität, dass man sich anstrengen und Geduld haben muss, wird nicht unbedingt in den sozialen Medien weitergegeben. Es wird spannend zu beobachten sein, welche Auswirkungen sich daraus für die Kapitalmarktaffinität der jungen Generation ergeben werden.



Ihr Rat an einen 30-Jährigen heute: Soll er seine „deutsche Vorsicht" ablegen?

Vorsicht im Sinne von zukunftsorientiertem Denken und Zurücklegen für später – davon sollte man sich nicht trennen. Das ist Vernunft.

Vorsicht im Sinne von „keine Risiken eingehen“ ist etwas anderes. Risiken werden über einen längeren Planungshorizont immer geringer. Für einen 30-Jährigen mit einem längeren Anlagehorizont macht es definitiv keinen Sinn, kein Risiko einzugehen. Ich würde empfehlen, sich intensiver mit Kapitalmarktliteratur zu beschäftigen, etwa mit dem Rendite-Dreieck des Deutschen Aktieninstituts. Es gibt keinen „Free Lunch“, aber genau das wird manchmal in den sozialen Medien mit unrealistischen Versprechen suggeriert.



Fazit

Drei Lehren aus 25 Jahren Anleger­barometer

1. Langfrist schlägt Krisenangst

Die Erkenntnis: Wer 25 Jahre durchgehalten hat, wurde mit +337 Prozent (von Januar 2001 bis Januar 2026) belohnt (6,1 Prozent p. a.) – trotz Dotcom-Crash, Finanzkrise, Corona und Ukrainekrieg. Das bedeutet: Krisen fühlen sich dramatisch an, sind aber vorübergehend. Ihre Altersvorsorge braucht einen langen Atem, nicht ein perfektes Timing.

2. Besonnenheit ist Ihr Vorteil

Die Erkenntnis: Selbst in der Finanzkrise verkauften nur 25 Prozent der deutschen Aktienanleger panisch. 75 Prozent kauften sogar nach oder hielten durch. Das bedeutet: Der natürliche Hang zur Vorsicht ist in Krisen Gold wert. Vertrauen Sie dieser Eigenschaft – sie hat sich seit Langem bewährt.

3. Evolution statt Revolution bei der Geldanlage

Die Sparer in Deutschland modernisieren sich schrittweise: Fonds haben das Sparbuch überholt, aber die Sicherheitsorientierung bleibt bestehen. Das bedeutet: Sie müssen nicht zum Zocker werden. Erweitern Sie Ihr Portfolio Schritt für Schritt, stellen Sie sich breit auf.



Wer tiefer ins Thema einsteigen möchte, findet in unserem Whitepaper alle Details zu 25 Jahren Anlegerbarometer.

Stand: Januar 2026

Kontakt: presse@union-investment.de